Gute Tropfen

Der Leitspruch meiner Arbeit lautet: „Schreiben heißt neue Welten betreten“.
Soll bedeuten: Mit dem Schreibvorgang erschließe ich neue Welten, von denen ich dem Leser dann erzählen kann. Der Satz steht aber auch dafür, dass ich gerne für mich ganz neue Welten betrete, Neues ausprobiere, um glaubhaft darüber schreiben zu können.
Dafür verschlägt es mich schon mal auf eine Sanddornplantage oder zur Kriminalpolizei.

Hier wächst der gute Rote.

Hier wächst der gute Rote.

Und jetzt also ein Weinberg. Steilhang. Doch dieses Mal war alles anders. Mit drei Kollegen habe ich nämlich nicht nur selbst erleben wollen, was es heißt, zwischen nassen Reben hindurch zu rutschen, stundenlang die Schere zu schwingen, wie eine Bergziege den Hang zu erklimmen, nein, wir wollten echten Autorenwein machen.
Eine kriminell gute Idee des Syndikats, Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren. Umgesetzt in Zusammenarbeit mit dem Weingut Sonnenberg in Bad Neuenahr.

Die Idee: Wir Krimi-Schreiber helfen dabei, einen Hang zu bearbeiten, Stämmchen zu putzen, vorwitzige Triebe zwischen die Halteleinen zu schieben und zu beschneiden. Natürlich werden einige von uns auch im Oktober wieder zur Stelle sein, wenn gelesen wird. Nein, ausnahmsweise nicht über Mord und Totschlag, sondern Trauben. Irgendwann im nächsten Jahr wird es dann einen Syndikatswein geben.

Eigentlich gar keine so ungewohnte Tätigkeit für eine Schriftstellerin: Kürzen!

Eigentlich gar keine so ungewohnte Tätigkeit für eine Schriftstellerin: Kürzen!

Mir hat die Arbeit einen Riesenspaß gemacht. Meinen guten Wanderschuhen sei Dank, die es überhaupt ermöglicht haben, dass ich auf dem wirklich steilen Hang auf den Beinen geblieben bin. Der eine oder andere Tropfen wollte mich nämlich ins Straucheln bringen. Kein Wein, sondern Tropfen von oben. Davon jede Menge. Es hat aus Kübeln geschüttet! Von wegen Sonnenberg 😉
Immerhin, die Lese kann nur bei trockenem Wetter stattfinden, hat Winzer Marc uns verraten. Und uns zur Belohnung dann doch einen guten roten Tropfen eingeschenkt.

Vielen Dank, lieber Marc, liebe Kollegen, für einen schönen Tag und eine gute Erfahrung, die bestimmt demnächst in einem Roman verwertet wird.

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