Die Liebe in Zeiten von Corona

Mein letzter Tagebucheintrag erzählte von einem Seminar in Wolfenbüttel, bei dem es darum ging, über große Gefühle zu schreiben. Wie sehr hat sich seitdem alles verändert! Eine Lektion hieß: Weniger ist mehr. Das gilt jetzt überall. Je größer der körperliche Abstand, je konsequenter der Verzicht auf Umarmung und Küsse desto größer ist die Liebe 😛 

Es fällt mir nicht leicht, meine Gedanken zu sortieren. So vieles bricht über jeden von uns herein. Mein Augenmerk liegt naturgemäß auf den Buchhandlungen, Verlagen und der Kreativbranche.
Viele kleine Buchläden, die schließen mussten, sind in ihrer Existenz bedroht. Wie groß ist das finanzielle Polster der Verlage, werden sie die Krise überstehen und sogar alle geplanten Projekte umsetzen können? Lesungen brechen weg. Sie machen aber einen wichtigen Anteil der Gesamteinnahmen eines Autors aus.

Spätestens bei diesem Anblick wird jedem klar, dass Hamsterkäufer gar keine Hamster kaufen!

Viele Kolleginnen und Kollegen, die ohnehin von der berühmten Hand in den Mund gelebt haben, wissen jetzt gar nicht mehr, wie es weitergeht.

Täglich flattern Informationen von Berufsverbänden und Fachmagazinen herein. Darunter diese: Amazon stoppt seine Buchbestellungen, um Lagerplatz für Produkte zu schaffen, die jetzt gebraucht werden. Gemeint sind Waren für den täglichen Bedarf, medizinische Verbrauchsgüter und andere Produkte mit hoher Nachfrage.
Ein Schelm, wer an Böses wie Umsatzmaximierung denkt. Unterstellen wir mal, dass es um eine gute Versorgung der Menschen geht. Aber werden Bücher nicht auch gebraucht, um die Menschen aus der kleinen Wohnung heraus abzulenken und mit positiven Geschichten zu versorgen? Sollten nicht auch Ratgeber zur Verfügung stehen, die praktische Beschäftigungstipps oder psychologischen Beistand liefern können?
Ich habe mich schon immer dafür eingesetzt, den lokalen Buchhandel zu nutzen und zu unterstützen, um bunte Ortskerne und Innenstädte zu erhalten. Jetzt erst recht! Mein Appell: Setzen Sie sich telefonisch oder per Mail mit der Buchhandlung Ihres Vertrauens in Verbindung oder sehen Sie im Internet nach. Dass ein Laden geschlossen ist, bedeutet nicht, dass nichts läuft. Ich weiß, dass einige eifrige Buchhändler an Konzepten arbeiten, von der Online-Bestellung mit Belieferung bis zu Abholmöglichkeiten in Apotheken. Wenn Sie Bücher auch in Zeiten von Corona lieben, nutzen Sie bitte solche Wege, um sich mit Lesestoff oder Oster-Geschenken zu versorgen. Die Gefahr ist real, dass es sonst nach der Krise viele schöne Stöber-Läden nicht mehr gibt.
Wenn Sie darauf angewiesen sind, online zu bestellen und per Post beliefert zu werden, dann bitte im Autorenwelt-Shop. Autoren verdienen an jedem verkauften Buch durchschnittlich zwischen 5 und 9%. Beim Autorenwelt-Shop gibt es noch mal 7% extra. Eine wichtige Hilfe in dieser Zeit.

Was mich in diesen Tagen ärgert:
Einige glauben, die Lage besser einschätzen zu können als eine große Gemeinschaft renommierter Fachleute und setzen sich einfach über Regeln hinweg, obwohl sie damit das Leben anderer gefährden.
Leider wird hier und da auf eher hohem Niveau geklagt und nur gefordert, statt zu fragen: Wie

Das örtliche Café bietet für Menschen mit erhöhtem Risiko Einkaufsmöglichkeiten durchs Fenster an.

kann ich meinen Beitrag leisten?

Was mich aber sehr freut:
Ganz viele Menschen nutzen gewonnene Zeit und bieten anderen ihre Hilfe an.
Ungeheuer viele kreative Ideen werden entwickelt und können dank der Vernetzung umgesetzt werden – ganz ohne körperliche Anwesenheit.

Was ich mir wünsche:
Dass sich ein Umdenken breit macht, das weg führt von maximalem Profit, maximalem Spaß und maximal durchgetakteten Kalendern.
Dass nicht jeder, der Anspruch darauf hat, Geld vom Staat nimmt. Wer es sich leisten kann, aus eigenen Mitteln eine Zeit zu überbrücken, täte der Allgemeinheit einen großen Gefallen, denn die Kosten, die wir alle gemeinschaftlich aufbringen müssen, werden immens sein.
Dass die Volksparteien und die Politiker, die in letzter Zeit auf allen Ebenen – vom Bürgermeister der kleinen Gemeinde bis zum Bundesminister – angefeindet und wenig ernst genommen worden sind, jetzt wieder Ansehen und Respekt bekommen, die sie verdienen. Sie machen eine wichtige Arbeit. Ich finde, sie machen sie gerade jetzt richtig gut!

Ich bin zuversichtlich, dass meine Wünsche in Erfüllung gehen, denn ich bin Schriftstellerin, und Romane gehen oft gut aus 😉

Was ich mir überlegt habe, um mich bei Buchhändlern, Supermarktmitarbeitern, Pflegepersonal, Ärzten, Apothekern und unzähligen anderen zu bedanken, die gerade den Laden am Laufen halten, verrate ich demnächst an dieser Stelle.

Übrigens: Jetzt noch schnell in meinen Newsletter eintragen, lohnt sich. Ich spendiere meinen Abonnenten dieses Mal eine extra lange Leseprobe meines demnächst erscheinenden Romans Sommerglück auf der Hallig.

Bleiben Sie gesund und passen Sie bitte gut auf sich und alle anderen auf!

 

 

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