Uuund bitte!

Von wegen, ich gehe mit meinem Tagebuch erst mal in die Sommerpause … Nix da, spannende Erlebnisse wollen schließlich umgehend mit interessierten Lesern und Leserinnen geteilt werden 😀

Interessant war der Dreh für einen Trailer oder Porträtfilm oder einer Mischung aus beidem auf jeden Fall. Spaß gemacht hat’s obendrein!
Los ging es am 13. Juli im Hamburger Stadtpark. Neben der ebenso professionellen wie ungeheuer sympathischen Mannschaft von Pietsch Pictures war Kollegin, Schauspielerin und – wie sie sich selbst nennt – Bühnenpoetin HannaH Rau mit an Bord. Sie ist an verschiedenen Original-Schauplätzen in die drei weiblichen Hauptrollen meiner neuen Saga Die Frauen vom Jungfernstieg geschlüpft.

Künstlerin Irma skizziert die von Gerda und Oscar Troplowitz gestiftete “Diana mit den Hunden”. Holger (links) und Morten Pietsch halten die Szene im Bild fest.

Irma wandelt durch den morgendlichen Stadtpark. Morten muss mit der Kamera rückwärts laufen und wird von Bella geführt.

Für mich total faszinierend: Romanfiguren, die sonst nur in meinem Kopf existiert haben, kreuzten plötzlich meinen Weg. Sie waren da, sie waren real, eine nach der anderen. Und: Jede hatte ihre eigene Persönlichkeit!

 

Toni genießt am Weiher ihre Mittagspause.

Aber meistens hat Arbeiterin Toni etwas zu tun …

 

 

 

 

 

Ist Gerda (Gertrud) Troplowitz nicht elegant? Gleich gegenüber ihrer Villa blickt sie über die Alster.

 

 

 

 

 

 

Ich hoffe, ich kann bald bekanntgeben, wann und wo die Premiere unserer gemeinsamen szenischen Lesung stattfinden wird. Dann können Sie selbst dabei sein, wenn eine Darstellerin die drei Frauen vom Jungfernstieg zum Leben erweckt.
ACHTUNG: Auf meinem YouTube-Kanal unter dem Stichwort Making of “Die Frauen vom Jungfernstieg entsteht” gibt es kleine Eindrücke von den Dreharbeiten!

Sommerpause

Kürzlich war ich im dänischen Tondern zur Lesung, davor in Lübeck auf dem Koberg.
Wie in Dänemark üblich, waren wir gleich per Du, ich fühlte mich an der Kaffeetafel wie unter Freunden. In Lübeck dagegen fand die Lesung draußen statt, vor historischer Kulisse und inmitten von herrlich bepflanzten Hochbeeten.

Beide Veranstaltungen haben richtig viel Spaß gemacht. Endlich wieder Aug in Aug mit dem Publikum! Außerdem waren es zwei wirklich schöne Auszeiten vom Schreibtisch. Brauche ich ab und zu. Vor allem, wenn nicht nur das Arbeitspensum, sondern auch die Temperatur steigt. Neulich war es so heiß, dass anscheinend mein Hirn nur noch das Nötigste geschafft hat. Das ist mir aufgefallen, als ich einen Text Korrektur gelesen habe. Da stand:
“Als Dankeschön, dass du meine Schlinge aus dem Hals gezogen hast, …”

Ich hoffe, ich meinte eigentlich:
“Als Dankeschön, dass du meinen Hals aus der Schlinge gezogen hast, …”

Sie sehen, mit Hitze habe ich es nicht so. Darum gefällt mir das norddeutsche Wetter auch gerade richtig gut. Soll aber wieder heiß werden. Und deshalb verabschiede ich mich in meiner Tagebuch-Rubrik jetzt erst mal in die Sommerpause.

Drehtag

In wenigen Tagen erscheint der zweite Band meiner Jungfernstieg-Saga. Das ist immer eine aufregende Zeit.

Wie wird er ankommen? Mögen die Leserinnen und Leser, die den ersten Teil mochten, auch den zweiten?

Natürlich sitze ich nicht gemütlich im Garten und warte einfach nur auf den Moment der Auslieferung, ich schreibe selbstverständlich schon am nächsten Manuskript. Dieses Mal bin ich mal wieder in der Jetzt-Zeit unterwegs und kümmere mich um die Villa Sanddorn, ihre Bewohner und nächsten Gäste …

Als wäre das nicht genug Spannung, steht im Juli auch noch ein Wort in meinem Kalender, das mich elektrisiert: Drehtag!
Dass Schriftsteller eher scheue Wesen sind, würde ich nicht behaupten. Die wenigsten sind es allerdings gewöhnt, vor eine Kamera zu treten. Auf mich trifft das jedenfalls zu. Da ich mir aber in den Kopf gesetzt habe, einen Film produzieren zu lassen, der u.a. zur Einstimmung auf Lesungen aus der Jungfernstieg-Trilogie dienen soll, muss ich nun über meinen Schatten und mein Lampenfieber springen.

Glücklicherweise ist der Mann hinter der Kamera nicht nur kompetent, sondern obendrein extrem sympathisch. Außerdem bin ich nicht allein, sondern werde von einer Schauspielerin unterstützt, die auch bei meinen Lesungen eine Rolle spielen wird. Mehr verrate ich noch nicht.

Wäre lieb, wenn Sie mir mental über die Schulter spucken und toi, toi, toi sagen würden. Was man beim Theater macht, kann beim Film auch nicht verkehrt sein, oder?

 

 

 

Ein Buch entsteht

Foto von Taryn Elliott von Pexels

Manchmal bin ich überrascht, wenn ich höre, wie sich Menschen meinen Alltag vorstellen:
“Du kommst bestimmt gegen 12 Uhr aus der Badewanne, stellst das Glas Champagner beiseite und wartest, dass dich die Muse küsst.”
Was soll ich sagen? Ich habe gar keine Badewanne …

Nein, Quatsch. Aber tatsächlich denken viele, ich würde die Geschichte schreiben, die ich gerade im Kopf habe, sie abgeben, wenn sie eben fertig ist. Völlig egal, wie lang sie ist. Danach mache ich erst mal Pause, bis mir eine neue Romanhandlung im Kopf herumspukt.
So ist es nicht.

Denke ich länger darüber nach, ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass einige von meinem Berufsleben eine falsche Vorstellung haben. Mir geht es mit ihren Berufen genauso. Keine Ahnung, worum sich ein Zugbegleiter zu kümmern hat, außer die Tickets zu kontrollieren. Oder woher soll ich wissen, was ein Bohnenbeobachter tut (eine meiner Lieblingsberufsbezeichnungen!), wenn er gerade keine Bohnen beobachtet (also Kakaobohnen auf deren Qualität kontrolliert)?

Dann will ich mal Licht ins Dunkel bringen: Also …

Zuerst ist da die Idee. Die bringe ich in Form, das heißt, ich schreibe ein sogenanntes Exposé, in dem ich die Handlung umreiße und die wichtigsten Figuren vorstelle.

Konnte ich ein Verlagsteam damit begeistern, folgt der Vertrag, der bereits festlegt, wie lang das Manuskript und wann es abgegeben werden soll.
Ich recherchiere und schreibe wie der Teufel und halte im besten Fall diese Vorgaben ein 😉

Ist der erste Entwurf abgeliefert, bekomme ich Rückmeldung von meiner Lektorin. Wir besprechen, ob ich beispielsweise im Eifer des Gefechts an einer Stelle zu schnell war und ähnliche Dinge. Danach kriege ich den Text mit Anmerkungen zurück, überarbeite alles und gebe die zweite und hoffentlich endgültige Version ab.

Davon stellt der Verlag den sogenannten Umbruch her. Der sieht schon aus wie ein gedrucktes Buch. Meistens fallen mir beim Lesen noch kleine Fehler oder unschöne Formulierungen auf. Die gebe ich wiederum an die Lektorin durch. Das sieht z.B. so aus:

S. 81, 2. Absatz, 4./5. Zeile
zufrieden bitte streichen: “Ich sehe, meine Frau hat sich nicht gelangweilt”, sagte Oscar. “Das ist schön.”

gleiche Seite, 7. Zeile von unten
Bitte ändern in: Behn wird sein Bestes tun, mehr ist erst einmal nicht zu machen damit muss ich erst einmal zufrieden sein.”
Damit fliegt die Doppelung von machen / machte (nächste Zeile) raus 😉

S. 92, Mitte
Doppelung Weg. Bitte ändern in: Solange die drei zusammenhielten, würden sie alle Knüppel aus dem Weg fortschaffen, die das Leben ihnen womöglich noch in den Weg legte, dessen war sie sicher.

S. 175, 12. Zeile von unten
Zum besseren Verständnis die Mutter bitte noch einmal einfügen: “Die Mutter ist aber nun gestorben. Seine Schwester hat er noch, …

Die Lektorin fügt die letzten Änderungen ein, gibt das Manuskript in die Herstellung und … tadaa … fertig ist das Buch!
Für mich geht’s danach ab in die Badewanne … 😉

Halbzeit

Im Januar hatte ich in meinem Tagebuch verraten, dass ich dieses Jahr zum zweiten Mal Teil der Glauser-Jury bin.
Obwohl Krimis in meinem Berufsleben eher eine Nebenrolle spielen (dabei habe ich gerade eine superspannende Idee, finde ich 😉 ), bin ich seit Jahren Mitglied im SYNDIKAT e.V. Verein für deutschsprachige Kriminalliteratur. Über 750 Kollegen und Kolleginnen tauschen sich in Ortsgruppen aus, um die 200 treffen sich jährlich auf der CRIMINALE, lernen, wie ein Giftmord unentdeckt bleibt, stöbern im Darknet, trinken Gin und tanzen Tango …

Höhepunkt der CRIMINALE ist die Preisverleihungsgala. Dann wird der GLAUSER in verschiedenen Kategorien verliehen. Die Auszeichnung trägt übrigens den Namen von Friedrich Glauser, der als erster deutschsprachiger Krimiautor gilt. Ziemlich interessanter Mann!
Die Kategorie “Roman” ist dotiert mit 5.000 Euro in kleinen, nicht fortlaufend nummerierten Scheinen, aber die gerade neu gestaltete Trophäe und die Ehre sind natürlich sehr viel mehr wert.

Tja, und ich darf mit einem Kollegen und drei Kolleginnen gemeinsam den glücklichen Preisträger küren. In meinem Tagebuch habe ich geschrieben: “Ich räume schon mal eine große Ecke für Kartons frei.” Aus gutem Grund, gab es doch 456 Einreichungen, als ich das erste Mal in der Jury saß.
Dieses Mal sind es zur Halbzeit “nur” 96 eingegangene Bücher, aber erfahrungsgemäß kommt das dicke Ende noch 😉

Der Kommentar, den ich am häufigsten höre: “Das kannst du doch gar nicht alles lesen!”
Antwort: “Stimmt!”
Trotzdem kann ich mir ein ordentliches Urteil bilden. Das geht so: Ich lese die ersten 20 – 50 Seiten konzentriert. Hat mich ein Buch gepackt, wird auch der Rest verschlungen. Sind Handlung, Stil und Figuren eher so lala, lese ich den großen Mittelteil quer. Als Buchhändlerin habe ich das glücklicherweise gelernt. Ist anstrengend, aber effektiv! Die letzten Seiten, meist die Auflösung, bekommen dann wieder meine volle Konzentration.

Jeder Krimi wird farblich markiert. So sehe ich auf einen Blick, ob er nach meiner Einschätzung ein möglicher Glauser-Kandidat, sogar ein heißer Anwärter oder weit davon entfernt ist. Obendrein gibt es jeweils eine Notiz, was mir gefallen oder was mich gestört hat. Dann ist da natürlich auch noch der Austausch, der dafür sorgt, dass ich ein Buch vielleicht ein zweites Mal zur Hand nehme, wenn zum Beispiel ein Juror extrem begeistert ist. Habe ich etwas übersehen, auf den ersten Seiten nicht erkannt?
Ich bin davon überzeugt, dass wir auf diese Weise jedem Autor und jeder Autorin gerecht werden, dessen oder deren Buch im Rennen ist. Im Januar begeben wir uns sozusagen in Klausur und legen uns auf den Sieger fest. Wer es wohl dieses Mal wird? Ich bin jetzt schon mächtig gespannt!

 

Gesetze büffeln

Den größten Teil meiner Arbeitszeit beansprucht die Recherche. Das gilt nicht nur, wenn ich einen historischen Roman schreibe. Auch aktuelle Themen stellen mich immer wieder vor spannende Rätsel: Wie wird eigentlich Sanddorn geerntet? Wodurch bekommt Schokolade ihren verführerischen Glanz? Was macht ein Bohnenbeobachter den lieben langen Tag?

In Band 2 meiner aktuellen Jungfernstieg-Saga beschäftigte mich die Frage, was das Gesetz dazu sagt, wenn eine unverheiratete Frau ein Kind adoptieren will. Ich hatte vielleicht eine grobe Idee, wie das heute geregelt sein könnte, Fachwissen hatte ich nicht. Schon gar nicht, wenn der Fall auch noch um 1900 angesiedelt ist.

Also hat erst mal mein Bücherregal Zuwachs bekommen: das Bürgerliche Gesetzbuch für das Deutsche Reich von 1896. Das Vierte Buch beschäftigt sich mit Familienrecht. Im Zweiten Abschnitt wurde es für mich spannend, denn da ging es um Verwandtschaft. Darin ist zum Beispiel das Rechtsverhältnis zwischen den Eltern und dem Kinde im Allgemeinen geregelt. Oder auch die Rechtliche Stellung der unehelichen Kinder. Die Paragraphen 1741 bis 1772 schließlich sind der Annahme an Kindesstatt gewidmet.

Klingt alles ein wenig sperrig? Für mich hat sich die Lektüre gelohnt. Erstens kann ich inhaltliche Fehler in meinen Romanen nicht leiden. Zweitens waren in dem staubtrockenen Gesetzestext Fälle erwähnt, die mich sofort inspiriert haben.
Auch deshalb ist Recherche für mich so kostbar und wichtig, dass ich ihr so viel Zeit einräume!

Eine Apotheke zieht um

Es war Anfang März, als mich die Mail einer Dame erreichte.
Sie las gerade Die Frauen vom Jungfernstieg – Gerdas Entscheidung und schrieb mir:
“Stellen Sie sich vor, ich habe noch von der alten Unna-Apotheke einen Apothekenschrank!”

Wenn Sie sich jetzt fragen, was die alte Unna-Apotheke ist, haben Sie den ersten Band meiner neuen Saga noch nicht gelesen 😉 Dr. Paul Gerson Unna war seinerzeit der berühmteste Dermatologe Hamburgs und weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und gefragt. Er arbeitete sehr eng mit Oscar Troplowitz zusammen, der das Labor von Paul Beiersdorf übernommen und zu einem Weltkonzern aufgebaut hat.

Ich fragte mich natürlich, wer die Glückliche ist, in deren Besitz sich der Original-Apothekenschrank befindet. Na klar, eine Frau vom Fach, nämlich Lucia Mötting, Besitzerin der Ise-Apotheke. Der Name kommt Ihnen bekannt vor? Kein Wunder, kürzlich wurde im Hamburg Journal darüber berichtet, dass diese Traditions-Apotheke nach 111 Jahren ihre Pforten für immer schließt. Ein Jammer, denn die denkmalgeschützte Einrichtung, die schon als Kulisse fürs Großstadtrevier gedient hat, war mindestens ebenso besonders wie der Kontakt von Frau Mötting zu ihren Kunden.

Es kommt Wehmut auf.

Die gute Nachricht: Die Besitzerin hat ein Museum in Steinhorst bei Lauenburg gefunden, das die komplette Einrichtung übernimmt und genau so aufbaut, als spaziere man in die alten Räume an der Hamburger Isestraße.

Der Abbau hat begonnen …

Es ist immer wieder höchst spannend, was mir mein wunderbarer Beruf so vor die Füße spült. Ich freue mich schon jetzt darauf, ab Juli dem Museum, der alten Apotheke und vielleicht auch Frau Mötting einen Besuch abzustatten. Auf jeden Fall werde ich in meinem Tagebuch berichten, sobald eine Besichtigung in Steinhorst möglich ist.

Ostsee für die Seele

Bei Weltbild sind kürzlich meine drei Sanddorn-Romane als Dreierpack-Sonderausgabe erschienen.

Aus diesem Anlass hat eine freundliche Mitarbeiterin mich interviewt. Das Ergebnis ist ab heute im Weltbild-Magazin zu sehen.
Kleiner Tipp: Das Interview ist länger, als es auf den ersten Blick scheint. Nach einer Hälfte folgt der Werbeblock, dann geht es mit Fragen und Antworten weiter. Herunterrollen lohnt sich also 😉

Viel Spaß beim Lesen!

Geöffnet, geschlossen, erlaubt, verboten???

Ich gebe zu, die Zeiten sind gerade nicht einfach. Muss ich eine positive Impfung oder einen negativen Test vorlegen, um mir in der Apotheke die Haare schneiden zu lassen? Darf ich den Mund-Nasen-Schutz beim Zahnarzt eigentlich abnehmen? Steht “& Co.” für “& Corona” oder für “& Covid”?

Die Welt ist komplizierter geworden. Und: Ein einziges Thema beherrscht die Medien, private Gespräche und die eigenen Gedanken. Das ist leider auch bei mir der Fall, obwohl ich doch eigentlich den dritten Band meiner Jungfernstieg-Saga schreiben sollte. Mache ich ja auch, dabei passiert dann aber so etwas:
Kürzlich formulierte ich den Satz

“Bleiben Sie fleißig und unverzagt”, riet er den Vieren.

Geschrieben habe ich:

“Bleiben Sie fleißig und unverzagt”, riet er den Viren.

Neeeiin, diese dämlichen Viren sollen überhaupt nicht fleißig bleiben!

Selbst in einer Geschichte, die um 1900 spielt, schwirren sie mir im Kopf herum. Umso wichtiger, meinen Humor nicht zu verlieren. Dabei hilft mir täglich ein Plakat, das Kollegen des Aufbau Verlags mir geschickt haben. Es ist eigentlich für Buchhändler entworfen worden, die endlich wieder Kunden in ihre Läden lassen dürfen.
Wenn ich mir diesen drolligen Yogi ansehe, muss ich immer lächeln.
Danke, lieber Aufbau Verlag!

Post

Mindestens einmal pro Woche bekomme ich Post von einer mir fremden Person.
Meistens ist es eine Leserin oder ein Leser, die bzw. der mir Rückmeldung zu einem Roman gibt, oder eine Frage dazu hat. Diese Kontakte sind schön, ist das Schreiben doch ein einsamer Beruf. Ich freue mich, wenn ich erfahre, welchen persönlichen Bezug Menschen zu meinen Romanstoffen haben, wie aufmerksam sie Details bemerken.

Manchmal bekomme ich auch Bitten um Autogrammkarten, die ich fast immer gern erfülle. Seltsamerweise sind es hin und wieder verschiedene Absender mit exakt gleichem Wortlaut. Und jedes Mal wird um eine ganz bestimmte Anzahl von Autogrammkarten gebeten. Mich interessierte, ob ein Club oder eine Tauschgemeinschaft dahinter steckt, und ich fragte nach … habe aber nie eine Antwort bekommen. Eigenartig.

Ab und zu schreibt mich jemand an und bittet um eine Buchspende für eine Tombola. Vor ein paar Tagen bekam ich die Anfrage eines Fördervereins einer Jugendarrestanstalt. Die Jungs und Mädels, die dort ihre Strafe verbüßten, würden häufig das Lesen für sich entdecken, hieß es. Abgeschnitten von Handy, TV und Spielekonsole, nähmen sie einfach mal Bücher zur Hand.
Das hat mir gefallen. Von Kafka stammt das Zitat “Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.” Vielleicht ist das ein bisschen viel verlangt. Aber ich bin davon überzeugt, dass Bücher dem Eis in der Seele einen kleinen Riss verpassen und ein Saatkörnchen pflanzen können, das womöglich – zusammen mit unzähligen anderen Elementen – zu einem Richtungsweiser für eine bessere Zukunft heranwächst. Das wünsche ich den Jugendlichen sehr. Und mir wünsche ich, sie bei einer Lesung kennenzulernen, wenn es wieder möglich ist.